Die Frage der Übersetzbarkeit

„When I use a word“, Humpty Dumpty said, in a rather scornful tone, „it means just what I choose it to mean– neither more nor less.“

„The question is“, said Alice, „whether you can make words mean so many different things.“

(Lewis Carrol, Through the Looking-Glass, 1971, p. 190)

Solange man nur eine Sprache spricht, geht man davon aus, dass Übersetzen ganz einfach wäre, würde man nur die Sprache sprechen können: schließlich sind es ja nur andere Wörter für denselben Inhalt. Fängt man nun an, die Sprache zu lernen, funktioniert das erstmal ganz gut: Haus wird house, Katze wird cat und lernen wird to learn. Mit der Grammatik muss man sich ein wenig rumschlagen, das stimmt natürlich. Und Sprichwörter kann man wohl auch nicht wörtlich übersetzen. Aber wenn man dann die Sprache so weit beherrscht, dass man in ihr denken kann, stellt man fest, dass – wie bei den Sprichwörtern – an jedem Wort je nach Sprache unterschiedliche (kulturell bedingte) Konnotationen hängen.

Übersetzen ist darum eine literarische Tätigkeit: wie kann ich möglichst präzise den Sinn (Saussure nennt das Parole) des Originals wiedergeben, und dabei möglichst wenig in ihrer Formulierung (Langue) ändern? Wie kann ich eine Übersetzung wählen, die der Zielsprache entspricht, ohne dabei Annahmen zu machen, wie der Autor es in der Urspungssprache gemeint hat? Eine perfekte Übersetzung in diesem Sinne ist wohl nicht möglich, auch wenn sie bei fachlichen Texten deutlich einfacher zu bewerkstelligen ist als in literarischen (wegen ihrer potentiellen Vielschichtigkeit). (Diese Fragen beschäftigten uns im Kurs „Translatologie in Theorie und Praxis“ bei Herrn Jodl.)

Ein ähnliches Problem haben wir auch bei Computer Interfaces. Auch wenn hier die Sprache diesselbe bleibt, muss der Entwickler einer Software seine Erklärung „hineinkodieren“, in einer Art, dass der Benutzer diesen Code „wie seine Muttersprache“ versteht. Die Benutzeroberfläche wird eine „lingua franca“ zwischen dem maschinellen System, dem Benutzer – und den Entwicklern, die über das System und mit den Benutzern reden. Aus diesem Grund betonen heuristische Usability-Evaluationen, dass das „Wording“ konsistent und der Zielgruppe verständlich sein müssen.

Ach ja … eigentlich müssten Computerprogramme so aussehen:

Universalis - das universelle Programm

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